Angekommen in Torgelow

Angekommen in Torgelow

Erst­mals waren wir mit unse­rem Pro­jekt in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. In Tor­ge­low nahe dem Stet­ti­ner Haff hat­ten wir gemein­sam mit Wio­let­ta Fial von der Migra­ti­ons­be­ra­tung der Volks­so­li­da­ri­tät Uecker-Ran­dow e. V. zu einer Gesprächs­run­de in das Mehr­ge­nera­tio­nen­haus ein­ge­la­den, um einen Impuls für wei­te­re Tref­fen zu set­zen. Inter­es­siert hör­ten die Senio­rin­nen und Senio­ren unse­ren Gäs­ten zu. Ein älte­rer Herr erklär­te, er habe sich ganz kurz­fris­tig ent­schlos­sen, an der Ver­an­stal­tung teil­zu­neh­men, weil er wenig über Geflüch­te­te wis­se. Vie­le Infor­ma­tio­nen wür­de er nur aus den Medi­en bekom­men; qua­si „aus ers­ter Hand“ etwas über Geflüch­te­te zu erfah­ren, das sei sein Wunsch. Herr Hawja­wi, Herr Sheikh Ahmed und Herr Moo­sa­vi berich­te­ten über ihren lan­gen und beschwer­li­chen Weg nach Deutsch­land – aus dem Iran oder Syri­en über die Tür­kei, Grie­chen­land, Ser­bi­en und vie­le ande­re Län­der. Bevor Herr Hawja­wi nach Deutsch­land kam, war er knapp zwei Jah­re in den Nie­der­lan­den, erzähl­te er. Doch die dor­ti­gen Rege­lun­gen für Geflüch­te­te erlaub­ten es ihm weder die Spra­che zu ler­nen noch einen Beruf aus­zu­üben. Unter die­sen Bedin­gun­gen sah er dort für sich und sei­ne Fami­lie kei­ne Zukunft. Heu­te enga­giert er sich ehren­amt­lich als Sprach­mitt­ler in Tor­ge­low und hofft dar­auf, in Deutsch­land blei­ben und bald arbei­ten zu dür­fen. Er kann­te Herrn Sheikh Ahmed aus einem Sprach­kurs und Herr Moo­sa­vi, der erst vor knapp einem Jahr nach Deutsch­land gekom­men ist, ist sein Nach­bar. Danach gefragt, ob er wie­der nach Syri­en zurück­keh­ren wür­de, erzähl­te Herr Sheikh Ahmed über sei­ne Hei­mat­stadt nahe der Gren­ze zur Tür­kei. Der Krieg hat dort sei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen. Sein Haus ist zer­stört. In sei­ne Hei­mat zurück­zu­keh­ren, sei für ihn und sei­ne Fami­lie nicht mög­lich. Die Berich­te der Geflüch­te­ten weck­ten bei einem Seni­or Erin­ne­run­gen an die eige­ne Fami­li­en­ge­schich­te – an die Flucht der Groß­el­tern zur Zeit des Zwei­ten Welt­krie­ges. Erst sehr spät sei­en sie in der Lage gewe­sen, über das Erleb­te zu berich­ten. Vor die­sem Hin­ter­grund wünsch­te er sich mehr Aus­tausch mit Geflüch­te­ten, auch über die Flucht­er­fah­run­gen der Eltern und Groß­el­tern von deut­schen Bür­ge­rin­nen und Bürgern.