Zukünftig mehr Kontakt und Austausch

Zukünftig mehr Kontakt und Austausch

Vor Kur­zem fand die ers­te Begeg­nungs­ver­an­stal­tung im Rah­men unse­res Pro­jekts statt. Wir hat­ten am 9. Okto­ber 2020 ins Mehr­ge­nera­tio­nen­haus Eschers­hau­sen ein­ge­la­den, ehren­amt­li­che Hel­fe­rin­nen hat­ten zu die­sem Anlass ein üppi­ges geor­gisch-tsche­tsche­ni­sches Buf­fet gezau­bert. Unser Anlie­gen ist es, älte­re Bür­ge­rin­nen und Bür­ger mit Geflüch­te­ten in Kon­takt zu brin­gen. Zina Ulub­ae­va und Reda Alre­da vom Zen­trum für Migra­ti­on in Eschers­hau­sen hat­ten sich bereit erklärt, über ihre Flucht­ge­schich­ten zu sprechen.


1995 schon kam Frau Ulub­ae­va aus Tsche­tsche­ni­en nach Deutsch­land, nach­dem sie mit ihrer Fami­lie nur knapp einem Brand­an­schlag auf ihre Woh­nung ent­gan­gen war. In Deutsch­land hat die Fami­lie Asyl aus huma­ni­tä­ren Grün­den gefun­den. „Mitt­ler­wei­le kann ich über mei­ne Flucht spre­chen, sie gehört zu mei­nem Leben“, sagt die Mut­ter von drei Kin­dern. In Holz­min­den, wo sie heu­te zu Hau­se ist, fühlt sie sich sehr wohl: „Ich möch­te nicht woan­ders leben“. Herr Alre­da kam 2015 aus Syri­en nach Deutsch­land. Nach dem Stu­di­um ging er zunächst in den Liba­non, um dem Mili­tär­dienst zu ent­kom­men, über die Tür­kei wei­ter per Boot nach Les­bos und spä­ter von Athen über die Bal­kan­rou­te zu Fuß nach Deutsch­land. „Als ich in Mün­chen ankam, wuss­te ich, ich bin end­lich frei“, sagt er. Über das Fuß­ball­spie­len habe er sich inte­griert, das ging eigent­lich ganz schnell, so Herr Alre­da. Er fin­det es berei­chernd, das Gute aus zwei Kul­tu­ren kom­bi­nie­ren zu kön­nen: „Ich bin inzwi­schen mit einer Deut­schen ver­hei­ra­tet. Natür­lich trin­ke ich mit mei­nem Schwie­ger­va­ter mal ein Bier, aber genau­so fas­te ich auch im Rama­dan.“

Zwar war der Teil­neh­mer­kreis bedingt durch die Infek­ti­ons­schutz­re­geln wegen der Coro­na-Pan­de­mie eher klein, aber viel­leicht ent­stand gera­de des­halb eine so herz­li­che Gesprächs­at­mo­sphä­re. Gabrie­le Uerck­witz, Lei­te­rin des Mehr­ge­nera­tio­nen­hau­ses, war dar­über ganz erstaunt: „Nor­ma­ler­wei­se sit­zen hier alle in Grüpp­chen zusam­men, die sich sowie­so schon ken­nen und es ist ziem­lich laut. Ich fand es rich­tig gut, dass es heu­te so ruhig war und dass sich alle zuge­hört haben.“ Die Teil­neh­men­den aus der Umge­bung hat­ten gleich ganz kon­kre­te Ideen, wie das Mehr­ge­nera­tio­nen­haus sich für Geflüch­te­te ein­brin­gen kön­ne: „2015 hat­ten wir vie­le Ver­an­stal­tun­gen für die Geflüch­te­ten im Ort, beson­ders für die Kin­der. Ich wuss­te gar nicht, dass immer noch 90 Geflüch­te­te hier leben. Beson­ders wenn man sieht, wie schwer es den Frau­en fällt, Zeit für das Deutsch­ler­nen zu fin­den, dann müss­te man doch was machen. Wir haben hier zwei Hand­ar­beits­krei­se, auch per­sön­li­che Paten­schaf­ten wären toll. Man kann sich hier tref­fen und muss ja nicht Auf­ga­ben aus einem Buch machen.“ Frau Uerck­witz gab den bei­den Mit­ar­bei­ten­den des Zen­trums für Migra­ti­on auch gleich noch den Ver­an­stal­tungs­plan für die nächs­te Zeit mit: „Den haben Sie gar nicht? Das ist ja selt­sam.“ In Zukunft wird der Aus­tausch nicht mehr in Ver­ges­sen­heit geraten.